Ausstellung __________ Vadim Brodsky

Vadim Brodsky: Seidenkleid, Aquarell, Bleistift, 2018, in einem handgefertigten Passepartoutrahmen gold (55x43 cm) mit entspiegeltem Mirogardglas vom Kunsthaus Fischinger.

Unter dem Titel

Augen Blick

zeigen wir
von November 2018 bis Januar 2019
in unserem Laden in der
Esslinger Straße 20
im Stuttgarter Bohnenviertel
unsere neue Ausstellung mit
Arbeiten auf Papier von Vadim Brodsky.

Zur Ausstellung ist ein vom Künstler gestalteter, numerierter und signierter Katalog erschienen.

Vadim Brodsky: Figur, Tusche auf grünlichem Karton, 2015, in einem handgefertigten Rahmen mit Aufsatzarbeit im Rennaissancestil (54x45 cm) vom Kunsthaus Fischinger.

Dies ist bereits unsere fünfte Ausstellung mit dem Künstler im Kunsthaus Fischinger.

Vadim Brodsky, geboren 1945 in St.Petersburg, emigrierte 1998 nach Deutschland und erabeitete sich seither einen Namen als Zeichner, Illustrator, Lithograf und Linolschneider.

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Text von Martin Rexer aus unserem kleinen Katalog zur Ausstellung:

Zwischenräume

Doch! Da ist eine Leerstelle zwischen den Hauptwörtern Augen und Blick.

Und das Zweite, der Blick, ist auch groß geschrieben. Mit Augen Blick überschreibt Vadim Brodsky diese Ausstellung. Durch die Reihung von Augen und Blick ist natürlich auch der (Zitat) „Zeitraum von sehr kurzer Dauer“, der Augenblick, angespielt, aber durch das Trennen der beiden Worte durch einen Zwischen-, einen Leerraum lenkt der Künstler die Aufmerksamkeit auf jedes einzelne. Jedes ist sowohl für ihn als Maler als auch für uns als Betrachter von grundlegender Bedeutung:
— die Augen, um unser Gegenüber, die Umwelt oder ein Bild zu sehen,
– der Blick als Akt des Sehens, der unser Gegenüber, die Umwelt oder ein Bild wahrnimmt.
( … )
Diese Ausstellung versammelt nun Arbeiten der Jahre 2017 und 2018. Einige wenige ältere Arbeiten ergänzen die Zusammenstellung. Größtenteils lassen sich diese Arbeiten sowohl vom Titel als auch vom erkennbaren Sujet her nicht dem bisherigen Themenkanon Brodskys (Russische Literatur, Kindheitserinnerungen und Musik) zuordnen. Darauf angesprochen, sagte mir Vadim: (Zitat) „Ja, ich möchte weg von der Illustration, hin zum freieren Arbeiten.“

Vadim Brodsky: Drei Personen, Aquarell, Bleistift, 2017, in einem handgefertigten Echtgoldrahmenahmen, seitlich anrhrazit (68x53 cm) vom Kunsthaus Fischinger.

( … )
Schauen wir auf die Arbeiten des Jahres 2017, so fällt ( … ) an vielen der Bilder ein besonderes Merkmal auf:
Am unteren Bildrand befindet sich ein kleines weißes Quadrat. Es ist nicht unbedingt Bestandteil der Bildkomposition aber Brodsky versteht es, das Quadrat in den Bildaufbau zu integrieren, wenn z.B. der denkende Mann es wie einen Hocker benutzt. Der eigentliche Hintergrund dieses Bildelements liegt woanders.

Die weißen Quadrate entstehen nicht durch Farbauftrag sondern durch Weglassen von jeglicher Farbe. Es ist das leere Papier, welches wir sehen. Brodsky setzt einen Kontrapunkt zu den von ihm mit Aquarell oder Bleistift bearbeiteten Flächen. Die quadratische Auslassung ist gewissermaßen ein Zeit-Fenster: hier sehen wir das Trägermaterial Papier in unberührtem Zustand, so wie es vor der Bearbeitung ausgesehen hat. ( … )

Wenn Vadim Brodsky sagt, dass es ihm darum geht (Zitat) „Form, Farbe und Linie“ so zu beherrschen, dass daraus „etwas wie Musik“ entsteht, dann könnte man diese Auslassungen so interpretieren, das hiermit Haltepunkte – musikalisch gesprochen – Pausen formuliert sind.

Ein schönes Beispiel für diesen Arbeitsprozess ist das Blatt „Cellistin“ von 2012. Es ist zwar noch dem Themenkanon der Musik zuzuordnen, aber von der Arbeitsweise her schon den freieren Arbeiten zugehörig. Mit vier Bleistiftstrichen und zwei verschiedenfarbigen Aquarellflächen hat Brodsky eine Figur geschaffen, die vollkommen präsent ist. Als säße sie live bei einem kleinen Hauskonzert vor uns. Und das Erstaunlichste: das Instrument, dass sie virtuos greift und streicht, besteht lediglich aus Auslassungen – unberührtes Papier. „Kunst heißt weglassen.“ dieser Bemerkung Egon Erwin Kischs ist Brodsky mit seiner Cellistin gefolgt: Die Konzentration und Hingabe der Musikerin tritt in den Vordergrund. Ihr Körper formt das auf dem Bild nicht vorhandene Instrument. Der unberührte Malgrund ist zum Teil seiner Komposition geworden. Das Weglassen verstärkt den künstlerischen Ausdruck.
( … )

© Martin Rexer